Archiv für Februar 2014

Bericht der Opferberatung Sachsen

Die RAA Opferberatung Sachsen hat die Statistik über Rechte und Rassistische Gewalt im Jahr 2013 in Sachsen veröffentlicht.
Gezählt wurden 223 Angriffe (144 davon waren Körperverletzungen) – 68 mehr als noch 2012.
Von diesen 223 Angriffen waren
- 85 rassistisch motiviert
- 75 gegen Nicht Rechte und Alternative
- 29 gegen „politische Gegner“
- 34 gegen weitere.

„Mit Leipzig (58) und Dresden (33) sind wie bereits in den Vorjahren die Städte Schwerpunkte rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt. Nach einem Rückgang der Angriffe im Jahr 2012 (23; 23) stiegen diese in beiden sächsischen Großstädten wieder deutlich an. Auffällig ist im Jahr 2013 insbesondere der Erzgebirgskreis mit 32 gezählten Angriffen (2012: 3). Dieser wohl massivste Zuwachs im Jahr 2013 lässt sich auf eine Erhellung des bis dato als „Dunkelfeld“ geltenden Kreises, durch eine stärke Vernetzung mit Kooperationspartner_innen und einen verbesserten Zugang zu den Betroffenen vor Ort zurückführen. Unter den ländlichen Regionen stechen außerdem die Landkreise Nordsachsen (21), Mittelsachsen (17) und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (17) hervor. Während im Landkreis Mittelsachsen (2012: 14) die Zahl in etwa gleich blieb, ist in den beiden anderen Landkreisen (2012: 11; 10) ein Zuwachs zu verzeichnen. Eine starke Zunahme ist mit 18 Angriffen auch in der Stadt Chemnitz zu verzeichnen (2012: 7). Gesunken ist die Zahl der rechtsmotivierten Gewalttaten hingegen im Landkreis Leipzig (2012: 17), Zwickau (2012: 16), Bautzen (2012: 17) und Meißen (2012: 8 ).

Am häufigsten handelt es sich bei rechtsmotivierten und rassistischen Angriffen um Körperverletzungen (144), gefolgt von Nötigungen/Bedrohungen/versuchten Körperverletzungen (71). In einem Fall handelte es sich um eine schwere Körperverletzung/versuchte Tötung. Zudem wurden drei Brandstiftungen und eine massive Sachbeschädigung registriert.

Mit 32 gezählten Angriffen im Jahr 2013 ist im Erzgebirgskreis wohl der massivste Zuwachs zu verzeichnen; die Zahl der Angriffe bewegt sich hier auf dem Niveau der Großstadt Dresden. Diese Auffälligkeit lässt sich vor allem dadurch erklären, dass der Opferberatung in den Jahren zuvor, weitaus weniger Angriffe bekannt wurden. Im Jahr 2013 konnte aber durch intensive Netzwerkarbeit der Zugang zu Betroffenen in der Region verbessert und so im Erzgebirgskreis das Dunkelfeld rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt erhellt werden. Insbesondere in der Region Annaberg bedrohen und attackieren Neonazis immer wieder alternative Jugendliche und Menschen mit Migrationshintergrund. Betroffene beschreiben zudem, dass sie bestimmte Orte, wie z.B. Gemeindefeste meiden, um möglichen Angriffen aus dem Weg zu gehen. Der überwiegende Teil der hier gezählten Angriffe ist durch die Betroffenen nicht angezeigt worden, entgegen der sachsenweiten Statistik, in der die gezählten Fälle zu um die 70% angezeigt sind.“

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Zustände im Erzgebirge

Dem Erzgebirge fehlt etwas: Konsequenter Antifaschismus. Diese Aufgabe machten wir uns zu eigen. Wir wollen nicht länger hinnehmen, dass Fremdenhass und Rechtsextremismus in der Region zum Alltag und von der Bevölkerung als normal verstanden werden.
Wir wollen zeigen, dass es noch Menschen gibt, die sich gegen die Menschenverachtende Ideologie der NeoNazis wehren und ein Zeichen dafür setzen, dass Antifaschismus nach wie vor sehr wichtig ist und jeden etwas angeht.
In den letzten Jahren erstarkte die rechte Szene im Gebirge, da es so gut wie keinen nennenswerten Widerstand mehr gab. Regelmäßig kam es zu Übergriffen auf Punks, Antifaschisten oder Menschen, anderer Herkunft. Bedrohungen, Beleidigungen und Einschüchterungen waren alltäglich und machten es den Menschen hier schwer.
Im vergangenen Jahr verstärkten sich die Aktivitäten von Nazis noch einmal..wohl auch, weil sie bemerkten, dass man ihnen wieder etwas entgegen setzte. 2013 wurden vermehrt alternative Jugendliche bedroht oder verfolgt. Es kam zu Einschüchterungsversuchen seitens der NPD Erzgebirge, in dem diese ein Bild eines Punks ins Internet setzten und gegen ihn hetzten und Gewalt androhten. Ein paar Tage später erschien das NPD-Mitglied Rico Hentschel vor der Haustür des Jugendlichen, drohte ihm und unterstellte diesem, Plakate der NPD beschmiert zu haben, was völliger Unsinn war.

Vorallem im Annaberger Raum kam es im letzten Jahr zu etlichen Übergriffen von NeoNazis. Auf Menschen, anderer Hautfarbe hatten sie es besonders abgesehen. Im März wurde sogar versucht, einen alternativen Jugendlichen zu überfahren.
Der letzte Angriff im Jahr 2013 ereignete sich am 7.12. in Annaberg. Die genaue Statistik der rechtsmotivierten Straftaten kann man bei uns ordern.

In den ersten beiden Monaten diesen Jahres ist es bisher noch ziemlich ruhig gewesen. Das wird sich allerdings wieder ändern, wenn es wärmer wird. Besonders hohe Gefahrenquellen sind, wie es in Provinzen üblich ist, die Volksfeste und Veranstaltungswochenden ab April. Mit einer linken Gesinnung oder anderem Aussehen sollte man an diesen Tagen die Innenstädte möglichst meiden.
Da zu solchen Festen kaum Polizei vor Ort ist, haben NeoNazis leichtes Spiel, falls sie auf einen Andersgesinnten treffen.
Die Bevölkerung schaut natürlich weg, denn sie sieht kein Naziproblem im Erzgebirge. – Wir aber schon! Dagegen kämpfen wir und dafür stehen wir ein.

Die herrschenden Zustände sind unzumutbar und wir fordern die Bevölkerung dazu auf, Gesicht zu zeigen und sich gegen Intoleranz, Rassismus und Faschismus zu wehren!
Schließt euch zu linken Gruppen zusammen und tut etwas! Es ist höchste Zeit.

AAE