Archiv für November 2014

Schneeberg wieder in voller Bräune

Gestern, am 29. November, demonstrierten in Schneeberg etwa 800 RassistInnen und Neo-Nazis (auch ‚besorgte BürgerInnen‘ genannt) gegen die Erstaufnahmestelle vor Ort.

Die Initiative „Freigeist“ – ein neu formiertes Bündnis aus NPD-nahen Kreisen, rief zu der rassistischen Demonstration auf.
Zu den Organisatoren gehört auch wieder NPD-Mann Stefan Hartung, welcher schon 2013 für die sogenannten „Lichtelläufe“ verantwortlich war.

800 TeilnehmerInnen scheinen im Vergleich zum letzten Jahr relativ wenig, als noch rund 1600 durch die Kleinstadt marschierten. Das könnte daran liegen, dass viele ‚gemäßigte RassistInnen‘ zuhause blieben, dafür aber eine Vielzahl gewaltbereiter Neo-Nazis aus der regionalen Kameradschaftsszene angereist waren.
Auch sollen Unterstützer aus Bayern, Brandenburg und Leipzig den Weg nach Schneeberg gefunden haben. Ein Chemnitzer machte den Mob anschließend am offenen Mikrofon auch auf die rassistische Demonstration am 05.12. in Chemnitz aufmerksam und rief zur gemeinsamen Solidarität auf. Angesichts der rassistischen Hochkonjunktur in den letzten Wochen, eher beunruhigend.

Anders als 2013 gab es gestern keine Gegenproteste. Dies lag unter anderem daran, dass sich weite Teile der Partei „Die Linke“, des DGB’s und des Bündnisses „Schneeberg für Menschlichkeit“ weigerten, den sogenannten Weihnachtsfrieden zu stören. Weiterhin sei vielen überhaupt nicht bewusst gewesen, dass RassistInnen in Schneeberg wieder mobil machten.
Allerdings kann man durchaus allen linken und antifaschistischen Kräften in der Region für die fehlende Mobilisierung einen Vorwurf machen.

Doch eins ist klar:
Nächstes Mal gibt es kein Schweigen mehr. Nochmal wird es nicht gelingen, rassistische Hetze ohne Gegenwehr auf die Straßen zu tragen!

Gedenken an Reichspogromnacht

Am Abend des 09. November 1938 erreichte der Antisemitismus in Deutschland seinen vorläufigen ‚Höhepunkt‘.

In Annaberg-Buchholz verwüsteten die Faschisten mehrere jüdische Geschäfte sowie die Synagoge in der Buchholzer Straße. Der Friedhof der ‚Israelitischen Religionsgemeinde‘ wurde geschändet, verwüstet und am Morgen des 10. November auch die zugehörige Feierhalle gesprengt.
Doch damit nicht genug – Mehrere jüdische BürgerInnen wurden von der GeStaPo verhaftet und verhört. Außerdem soll es vereinzelt zu Deportationen in Konzentrationslager gekommen sein.

Schon vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 kam es regelmäßig zu Angriffen auf jüdische Menschen und deren Geschäfte im Erzgebirge. Der erste Annaberger Bürgermeister Dietz, ein bekennender Antisemit, unterstützte die Nazis tatkräftig.
Jahrelang schürrte er in der Bevölkerung den Hass auf alles jüdische und rief schon 1933 zu ersten Boykott-Aktionen auf.

Gewalttätige Übergriffe, Arbeitsverbote, die Kennzeichnungspflicht mit einem gelben Stern und viele weitere Repressalien mussten Jüdinnen und Juden jahrelang erdulden, bis sie letztendlich in verschiedene Vernichtungslager deportiert wurden. Schätzungen zufolge sollen auch mindestens 14 JüdInnen aus Annaberg in solchen Lagern umgekommen sein.

Den Opfern dieser grauenvollen Zeit haben wir heute gedacht.
Die erste Station war der ehemalige jüdische Friedhof am Erzgebirgsklinikum.

Danach besuchten wir den christlichen Friedhof, auf dem die letzten 17 Gräber des zerstörten jüdischen Friedhofes zu finden sind.
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Anschließend ging es zum Mahnmal, welches an die Befreiung von über 400 KZ-Häftlingen nach einem Todesmarsch erinnert.
(Auch wenn es nicht ganz zum Datum passte.)
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Die letzte Station war die ehemalige Synagoge auf der Buchholzer Straße. Statt Gedenktafel nur das Schild einer HNO-Praxis, die im Gebäude ihren Sitz hat.
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Unsere Aufgabe ist und bleibt es, an diese Zeit zu erinnern und den Kampf gegen menschenverachtende Ideologien fortzusetzen!
Wir danken allen UnterstützerInnen und hoffen, dass wir wenigstens ein kleines Zeichen setzen konnten, wenn es sonst niemand tut.