2 Jahre Antifaschistische Aktion im Erzgebirge! Hat sich schon was getan?

Vor genau 2 Jahren wurde unsere Gruppe ins Leben gerufen. Hervorgegangen aus verschiedenen linken Initiativen und Einzelpersonen wollten wir im Erzgebirge etwas verändern. Gründe dafür gab es genug: Weit verbreitete rassistische Ansichten in der Bevölkerung, gut organisierte und strukturierte Neonazis, kaum vorhandene Freiräume für Jugendliche sowie mangelnde Schulbildung und Aufklärung im Umgang mit diesen Themen.
Hauptgrund für die Gründung der Antifaschistischen Aktion war jedoch die permanente Präsenz rechter Gewalt. Diese konnte sich vor allem durch die Ignoranz der gesellschaftlichen Mitte in der Region etablieren. Die herrschenden Zustände waren von uns nicht länger hinnehmbar, weshalb wir uns 2013 zusammenschlossen und seitdem durch verschiedene / vielfältige Aktionen agieren.
Um auf die Bedrohung von Rechts aufmerksam zu machen, führen wir seit unserer Gründung eine Chronik, welche alle gemeldeten Übergriffe durch Neonazis im Erzgebirgskreis dokumentiert. Aufgrund der hohen Anzahl an Vorfällen veranstalteten wir im April diesen Jahres eine antifaschistische Demonstration unter dem Motto „Rechte Gewalt offenlegen“ in Annaberg-Buchholz, durch welche das Thema erstmals eine breitere Öffentlichkeit erreichte. Doch das war noch nicht alles. Auch wenn die Angriffszahlen durch Neonazis kontinuierlich sinken (2013; 32/ 2014; 24/ 2015; bisher 4), muss auf das Problem rechter Gewalt nach wie vor aufmerksam gemacht und diesem selbstbewusst entgegengetreten werden.

Eines unserer Ziele ist es, linke Inhalte im Alltag zu etablieren, die Gesellschaft zum nachdenken zu bewegen und so neurechten Mobilisierungen, wie denen von „Pegida“ vorzubeugen. Zu diesem Zweck führten wir am 09. November 2014 in Annaberg-Buchholz einen Spaziergang zum Gedenken an die Reichspogromnacht durch. Auch wenn der sächsische Staatschutz anschließend versuchte, unseren Spaziergang zu kriminalisieren, war er doch ein erstes positives Zeichen an die Öffentlichkeit für die Präsenz, linker Strukturen.
In diesem Jahr ist ebenfalls wieder eine Gedenkveranstaltung zum Thema geplant, doch alles zu seiner Zeit.

Um auch das Problem des weit verbreiteten Rassismus im Erzgebirgskreis zu lösen, ist es nötig, die Gesellschaft in den Kampf einzubinden. Menschenverachtende Ansichten können nur bekämpft werden, wenn linke Inhalte in die zivilgesellschaftliche Mitte gebracht werden. Durch Bildungs- und Aufklärungsveranstaltungen wollen wir die Menschen in Zukunft über verschiedene politische Themen und Alternativen informieren, sensibilisieren und ein Umdenken in den Köpfen erreichen. Dass das viel Arbeit ist, wissen wir. Besonders in kleineren Städten und Gemeinden, in denen neonazistische, homophobe, sexistische und christlich-fundamentalistische Einstellungen herrschen, ist es schwer, die Menschen zu erreichen. Etwas anders sieht es da in Annaberg-Buchholz aus. Dort scheinen größere Teile der Zivilgesellschaft aufgeklärt zu sein. So konnte beispielsweise 2012 eine Unterschriftensammlung von engagierten Anwohner_Innen dafür sorgen, dass das NPD-Bürgerbüro nach kurzer Zeit wieder ausziehen musste. Bis heute allerdings das einzige nennenswerte Beispiel für couragierten Protest gegen Rechts.

Nach 2 Jahren antifaschistischer Arbeit in der tiefsten Provinz können wir sagen, dass sich die Verhältnisse in den Städten, in denen größere linke Strukturen existent sind, zwar langsam verändern aber eine dauerhafte linke Präsenz unabdingbar ist. Um diesen Vorgang zu unterstützen, beziehungsweise zu beschleunigen, sind Freiräume ein großer Vorteil. Mit der Beschaffung eines linksalternativen Zentrums, wie es unser Plan ist, wäre es möglich, endlich auch linke Inhalte im Alltag zu etablieren. Außerdem könnte damit das Problem fehlender kultureller Möglichkeiten für alternative Jugendliche angegangen werden, da Jugendkulturen im Erzgebirge ohnehin kaum gefördert werden und das somit früher oder später zu Abwanderung junger Menschen führt. Alternative Freiräume und Jugendkultur müssen langfristig und nachhaltig möglich gemacht werden.
Fazit: Seit der Aufnahme unserer Arbeit konnte also noch nicht viel verändert werden, da zuerst eine Übersicht über die Gesamtsituation erstellt werden und geeignete Maßnahmen endlos diskutiert und erprobt werden mussten.
Uns steht also noch eine Menge Arbeit bevor. Doch wir verzweifeln nicht daran, sondern sehen es als unsere Aufgabe und als eine Herausforderung, die genannten Ziele in die Tat umzusetzen und die Region nachhaltig zu verändern.