Worum geht´s beim Poststreik?

Seit mehr als 2 Wochen befinden sich Postmitarbeiter_Innen aus ganz Deutschland im unbefristeten Streik – aber worum geht es dabei eigentlich?
Dieser Beitrag soll als kleine Info dienen.

Die Deutsche Post AG besitzt einen Tarifvertrag für ihre Mitarbeiter_Innen. Doch die Unternehmensleitung versucht in immer mehr Bezirken die Post in kleinere Tochterunternehmen auszugliedern, um den Haustarifvertrag zu umgehen. So gründete der Konzern am Jahresanfang 49 Regionalgesellschaften unter dem Namen DHL Delivery. Dort müssen die Postler_Innen zu deutlich schlechteren Bedingungen arbeiten.
Die einen werden nämlich nach dem Haustarif der Post bezahlt, die anderen nach dem Tarif für die Speditions- und Logistikbranche. Das kann einen Unterschied von bis zu 1000 Euro im Monat ausmachen.
Die Gewerkschaft Ver.di fordert daher ein Ende der Ausgliederungen sowie einen Haustarifvertrag, der sowohl für die Post als auch für alle Tochterunternehmen gilt. Außerdem kämpfen die Streikenden für eine Arbeitszeitverkürzung um 2 Stunden auf 36,5 Arbeitsstunden pro Woche, eine Lohnerhöhung um 5,5 % und die Abschaffung befristeter Verträge.
Denn die Post macht große Unterschiede bei den Arbeitsverträgen ihrer Belegschaft. Das heißt, dass Beamte sichere Arbeitsplätze haben aber die Angestellten in der Regel eine Arbeitsbefristung nach der anderen bekommen. Letztere können sich also nie sicher sein, wie lange sie noch für die Post angestellt sind. Das trifft auch auf viele Mitarbeiter_Innen zu, die schon seit Jahren für das Unternehmen arbeiten. Außerdem bekommen auch Beamte und Angestellte meist sehr unterschiedlich hohe Löhne für nahezu gleiche Tätigkeitsfelder.

Und warum das ganze?
Die Deutsche Post AG steht, was Umsatz und Gewinn angeht, besser da als je zuvor. Doch Postchef Frank Appel will mehr. Um höhere Profite einzustreichen, will die Konzernführung das Unternehmen weiter umbauen und bundesweit niedrigere Löhne durchsetzen.

Um die Auswirkungen des Streiks abzufedern, setzt der Konzern nun Leiharbeiter_Innen (auch aus Polen), Freiwillige und Beamte als Streikbrecher_Innen ein.
Außerdem ist bekannt, dass Post-Bosse gezielt befristete Beschäftigte durch Einzelgespräche oder unausgesprochene Drohungen einschüchtern und viele darum nun nicht mehr an den Streiks teilnehmen wollen.

Aufgabe der Gewerkschaft ver.di:
Der Konzern spaltet die Belegschaft in Vollzeitbeschäftigte, Teilzeitbeschäftigte, Aushilfskräfte, Befristete und Verbeamtete. Durch DHL Delivery und andere Tochterfirmen verstärkt sich diese Spaltung. Die Einbeziehung dieser Tochterfirmen und der Prekarisierten in den Streik ist daher eine wichtige Aufgabe der Gewerkschaft. Ver.di muss Anstrengungen unternehmen, all diese Kräfte in den Arbeitskampf mit einzubeziehen. Bei den prekär Beschäftigten und Teilzeitkräften ist die Ausbeutung und Unzufriedenheit groß, aber der gewerkschaftliche Organisationsgrad klein. Diese können aber eine entscheidende Rolle für den Ausgang des Arbeitskampfes spielen.

Nötig sind außerdem:
→ ein Ende der Spaltung der Belegschaft
→ die Durchsetzung aller berechtigten Forderungen
→ die Zusammenlegung mit anderen Streiks
→ bundesweite Solidaritätsbekundungen mit den streikenden Arbeiter_Innen
→ die Ausweitung der Streiks!

Quellen:

http://www.sozialismus.info/2015/06/poststreik-es-geht-um-mehr-als-die-forderungen/

http://marx21.de/poststreik-es-geht-um-viel-mehr-als-die-forderungen/

http://marx21.de/solidaritaet-mit-den-streikenden-bei-der-post/