Pressemitteilung „Rechtsradikale Bedrohung im Erzgebirge nimmt zu“

Seit Ende Juni wurde ein Anstieg rechter und rassistischer Gewalt im westlichen Erzgebirge verzeichnet. So kam es in den vergangenen drei Monaten zu neun gewalttätigen Angriffen auf Asylbewerber und linke Jugendliche, sowie zahlreichen Drohszenarien gegen diese. Neben Annaberg-Buchholz rückten in diesem Jahr auch die Städte Schwarzenberg und Bockau ins Zentrum rassistischer Gewalt.

Nachdem es in der Region seit März diesen Jahres kaum zu Gewalttaten der rechten Szene kam, stieg ab Juni die Zahl der Vorfälle, mit deutlich rassistischen und rechtsmotivierten Hintergründen.
So waren Asylbewerber in den letzten Wochen immer wieder Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt. Einige von ihnen beklagten sich mehrfach über offenkundige Beleidigungen durch Neonazis in der Öffentlichkeit.
Ins Visier gerieten aber auch immer wieder alternative und linke Menschen, die sich gegen Rechts engagieren. Im Juni wurden zwei linksgerichtete Jugendliche in Schwarzenberg von drei Insassen in einem Transporter verfolgt und anschließend mit den Worten: „Wir kriegen euch noch!“ bedroht. In Annaberg-Buchholz verfolgten und filmten im Juli bekannte Neonazis auf offener Straße alternative Jugendliche.

Die meisten rechten Gewalttaten wurden in den letzten fünf Wochen verzeichnet. Allein in Annaberg-Buchholz kam es zu vier Übergriffen auf Geflüchtete. Erst am Freitag bedrohten drei Neonazis eine syrische Familie und deren Freunde im Waldschlösschenpark und zertraten anschließend mehrere Stühle, die die Geflüchteten bei sich hatten. Auch aus Bockau (bei Aue) wurden in den letzten fünf Wochen drei Angriffe; aus Schwarzenberg ein Angriff auf Geflüchtete gemeldet.

Die aktuellen Ereignisse machen deutlich, dass Gewalt und Einschüchterung durch Neonazis im Erzgebirgskreis noch immer eine akute Bedrohung für andere darstellen. Daher fordern wir die Zivilgesellschaft ausdrücklich auf, sich klar gegen rechte Gewalt zu positionieren und menschenfeindlichen Ansichten keinen Raum zu lassen. Außerdem ist es wichtig für eine schnelle und gründliche Aufklärung von rechtsmotivierten Angriffen zu sorgen. Das wichtigste ist jedoch, die Gesellschaft über Asylsuchende aufzuklären, mit falschen Vorurteilen aufzuräumen und den Menschen zu zeigen, dass ihre neuen Nachbarn keineswegs Verbrecher sind, sondern Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind.

Antifaschistische Aktion Erzgebirge
Linksjugend [’solid] Erzgebirge“

AfAErz1


1 Antwort auf „Pressemitteilung „Rechtsradikale Bedrohung im Erzgebirge nimmt zu““


  1. 1 Irmela Mensah-Schramm 08. September 2015 um 11:14 Uhr

    Es kann (und darf) nicht sein, dass wir nun mit allen Kräften uns (selbstverständlich und gern) fast ausschließlich um den Schutz der Flüchtlinge kümmern, wo der Staat immer noch gnadenlos versagt.
    Es geht derzeit -fast- nur noch ums „Feuer löschen“ und Gegenproteste gegen die Kotzbrocken der Ekel-Nazis, während die Präventivarbeit, die staatlicherseits eh hauptsächlich aus „Kosmetik“ bestand,- ganz besonders auch in Sachsen -und nun im Nichts sandet, d.h. ruht.
    Es kann auch nicht sein, dass die Schulen sich hauptsächlich der Gedenkarbeit widmen und völlig unsensibel,- kaum oder nicht- auf aktuelle begebenheiten in ihrem Umfeld reagieren.
    Mehrere Menschen haben z.B. in Berlin, Brandenburg und Sachsen sich vergeblich bemüht, mein anerkanntes, aber daher eben auch n i c h t öffenlich gefördertes Projekt gegen Rassismus und Antisemitismus zu unterstützen.
    Dies ist ein Armutsbezeugnis dieser ignoranten Politik im Lande!
    Mein Projekt war monatelang öffentlich präsent, ohne dass sich auch nur eine einzige Schule dafür interessiert hatte!
    Warum wundern wir uns denn da noch ?
    Es ist bequemer und eben auch einfacher, aantirassistische AkteurInnen zu diffamieren!

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