Neu-rechtes Pamphlet – Wochenspiegel

Pünktlich jeden Freitag findet sich in den Briefkästen des Erzgebirges die sogenannte Zeitung „Wochenspiegel“. Nach eigenen Angaben erreicht sie eine Auflage von knapp 40.000 Exemplaren. Das Druckerzeugnis ist für die Leser kostenfrei und finanziert sich durch Werbeanzeigen lokaler aber auch größerer Unternehmen wie Aldi, Mäc-Geiz oder INJOY.
Ohne dabei viel Aufsehen zu erregen, hat sich der Wochenspiegel als Sprachrohr völkischer und neu-rechter Parolen und Weltanschauungen kultiviert. Natürlich prangen nirgendwo Hakenkreuze oder AfD-Logos und eindeutig rassistische Äußerungen sind auch nicht zu lesen. Vielmehr ist das Problem eine unterschwellige Expression dessen, was NPD, Petry, Höcke und Co. ohne Hemmungen von sich geben. Ein Beispiel, wie Hass auf Flüchtlinge geschürt wird, ist die Klassifizierung von (vornehmlich Sexual-) Straftätern als „südländisch“(1) oder als „dunkelhäutig“(2). Entspricht der Täter jedoch keiner dieser Kategorien, so wird das Merkmal gar nicht aufgezählt. Formulierungen wie „hellhäutig“ oder „mitteleuropäischer Herkunft“ findet man in den Artikeln nicht(3). Die Berichterstattung verfolgt klar das Kalkül, die öffentliche Meinung über vermeintliche Ausländer und Geflüchtete negativ zu beeinflussen, da sie impliziert, diese Personengruppe begehe überdurchschnittlich viele Verbrechen. Weiterhin auffällig ist, dass besonders viele dieser Texte, die von Übergriffen angeblicher Geflüchteter handeln, aus der Feder eines einzelnen Autors stammen: Sven G. Also vielleicht doch nur ein schwarzes Schaf in der Redaktion? Im Gegenteil, denn dieser Mensch, der vorher bei der Boulevard-Zeitung „Bild“ gearbeitet hat, ist sogar Chefredakteur(4). Offensichtlich ist er also doch imstande mit seiner Gesinnung die gesamte Zeitung zu repräsentieren. Ein weiteres Beispiel? In einer kleinen Serie über den Liftbau in Oberwiesenthal(5) werden nicht nur berechtigte Bedenken der Grünen lächerlich gemacht, sondern das komplette Naturschutzkonzept attackiert. Sven G.’s Haltung läuft auf die These hinaus, wenn die bedrohten Tiere sich nicht anpassen könnten, müssten sie eben aussterben. Eine Einstellung, die den darwinistischen Gedanken dahingehend übersteigert, dass Tiere in Konkurrenz zur menschlichen Zivilisation gesetzt werden, ein ungleicher Kampf. Zudem wird die Klimaerwärmung in AfD-Manier verleugnet und als xenophobes Sahnehäubchen noch die Angst geschürt, „die Tschechen“ (Vorsicht Pauschalisierung) würden uns die Tourist*Innen wegnehmen, fast hört man einen Aufruf zum Aufbegehren heraus. Sich zu wehren gegen die Ausländer natürlich, denn die machen ja den deutschen Ski-Gebieten Konkurrenz. Blöd nur, dass gerade dieser Konkurrenzkampf das primäre Kennzeichen der bestehenden Wirtschaftsordnung ist. Allerdings würde eine solch komplexe Betrachtung weit über den Horizont des Klientels der Zeitung herausgehen und nebenbei das eigentliche Ziel, Unmut gegen alles nicht deutsche aufzustauen, verfehlen. Dass das Pamphlet in dieser nationalistischen Denkweise feststeckt ist definitiv und äußert exemplarisch in seiner einseitigen Sicht auf die EU (6), die starke deutsche Wirtschaft werde von Brüssel ausgebremst. Und was schon aus Prinzip für eine Zeitung dieser Art unerlässlich ist, Verleumdung gegen Linke. Auch der Wochenspiegel setzt den theoretischen Kommunismus mit dem gescheiterten real existierenden Sozialismus gleich.(7)
Die Verlagsgruppe des Wochenspiegels gibt ebenfalls den Landkreiskurier des Landkreises Erzgebirge heraus, in dessen Kreistag die CDU mit Abstand größte und einflussreichste Fraktion ist. Es ist offensichtlich, dass die Mediengruppe Erzgebirge auch den Wochenspiegel benutzt, um seine Gunst bei der CDU hoch zu halten. Während, wie bereits angesprochen, Kritik der Grünen lächerlich gemacht wird, bekommen CDU Politiker wie Andreas Engert PR vom feinsten geliefert.(8)

(1) http://www.wochenendspiegel.de/joggerin-auf-waldweg-sexuell-belaestigt/
(2) http://www.wochenendspiegel.de/zivilpolizistin-begrapscht/
(3) http://www.wochenendspiegel.de/neukirchen-fahndung-nach-sex-taeter/
(4) http://www.schlettau.de/nachrichten-aus-erzgebirge-detail/archiv/28783.html
(5) http://www.wochenendspiegel.de/fichtelberg-gruene-attacke-nuechterne-zahlen/
(6) http://www.wochenendspiegel.de/neue-abfall-ordnung-eu-wieder-im-buerokratie-wahn/
(7) http://www.wochenendspiegel.de/sachsenmeyer-brexschid/
(8) http://www.wochenendspiegel.de/andreas-engert-strebt-cdu-bundestagsmandat-an/

Ein wechselseitiger Nutzen dürfte auch der Zeitung gewiss sein.
Das Ergebnis dieser Betrachtung ist, dass Wirtschaft und Zentrum-Politiker ein Medium fördern, dass, wenn man es denn sehen will, die neue völkische Bewegung offensichtlich vertritt. Es sind die gleichen Tendenzen, die man auch in der AfD oder bei Pegida findet. Die bürgerliche Mitte befindet sich schon längst in den Fängen dieser Manipulateure und Konzerne wie Aldi unterstützen das Fortlaufen dieses Prozesses mit ihren Werbeanzeigen ungewollt. Die Mediengruppe Erzgebirge gibt im Übrigen auch das „Veilchen Echo“ heraus. Vielen Aue Fans dürfte der rechte Anstrich wohl nicht missfallen, aber der Rest darf sich auch gerne näher mit dem Verlag beschäftigen, um nicht aus Versehen ein rechtes Pamphlet zu unterstützen.