Neonazis organisieren Heimattag

Wenn am 13. August in Lößnitz der erste „Erzgebirgische Heimattag“ einige oder auch viele Besucher*Innen anlockt, dann sind die, die sich darüber am meisten freuen werden, keine geringeren als radikale Neonazis.

Eigentlich könnte man den Eindruck gewinnen, bei der Veranstaltung handele es sich tatsächlich um nichts weiter als ein Fest, auf dem die Besucher*Innen sich an der reichhaltigen Kultur des Erzgebirges erfreuen sollen. Doch hinter dieser Aktion steckt das Kalkül radikaler Aktivisten der „Identitären Bewegung Erzgebirge“. Der Veranstalter des Heimattages nennt sich im Internet ironisch „Erzgebirge im Herzen“. Die Entscheidung, wer und was zum Erzgebirge zählt, behält man sich jedoch vor. In dem sozialen Netzwerk Facebook verbreiten die Betreiber*Innen offenkundige Verschwörungstheorien gegen die Flüchtlingspolitik(1) der Bundesregierung und auch Beiträge der eindeutig rassistischen Organisation „Identitäre Bewegung“. Diese wird vom Verfassungsschutz beobachtet und als Teil der neonazistischen Szene geführt(1). Besonders verwunderlich ist diese Verbindung allerdings nicht, schließlich ist der Organisator der Veranstaltung, Max E., selbst Teil dieser Gruppierung. Von einem unpolitischen, ausgelassenen Fest kann also in keinem Fall die Rede sein. So erheben die Veranstalter*Innen auf ihrer Seite selbst den Anspruch, eine politische Plattform zu sein, positionieren sich gegen Migration und Liberalismus(2). Von Menschen, die gegen freiheitliche Werte (Liberalismus) eintreten, dürfte folglich nicht zu erwarten sein, dass sie eine Meinungsvielfalt auf ihrer Veranstaltung dulden werden. Im Gegenteil, wird es wohl ihrer Absicht entsprechen, mit dem Heimattag einen ersten Schritt hin zur Schaffung eines neuen Agitationsfeldes für die radikale Rechte im Erzgebirge zu machen. Dieser Trend zur Expansion immer gewalttätigerer Neonazis zeigt sich ebenfalls in der Entwicklung der Zahl rassistischer Übergriffe, die von 2014 auf 2015 bereits um ca. ein Drittel gestiegen war.(3) Die Sponsor*Innen des Festes, ortsansässige Betriebe(4), haben vermutlich keine Kenntnisse über die Verstrickung der Veranstalter*Innen in verfassungsfeindliche Kreise, sollten aber nun darüber nachdenken, ihre Unterstützung aufzukündigen. Die Kommune, wie auch kulturinteressierte Erzgebirger*Innen sollten kein Interesse daran haben, dass sich rechte Strukturen in der Region weiter ausbreiten, da zu befürchten ist, dass letztlich auch der Tourismus darunter leiden könnte. So perfide es auch klingt, anstatt die Region zu zelebrieren, könnte der Heimattag das Potenzial entfalten ihr nachhaltig zu schaden.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Identitäre_Bewegung

(2) https://www.facebook.com/ErzImHerz/info/?entry_point=page_nav_about_item&tab=page_info

(3) http://afaerz.blogsport.de/images/AntifaChronik2015.pdf

(4) https://www.facebook.com/events/990142597765868/