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AntifaErz digitiert zu ‚Spektrum 360′

Hiermit geben wir bekannt, uns nach 4 Jahren als Antifa-Gruppe im Erzgebirge umzubenennen. Nein, das ist keine direkte Auflösung. Vielmehr handelt es sich um eine Neustrukturierung und Umorientierung, deren wichtigsten Grund ihr jetzt erfahren werdet.

Wir werden gleich mal konkret. Der Grund für die Neustrukturierung ist die Tatsache, dass „Antifa“ für uns kein zeitgemäßes Konzept mehr darstellt. Klar, Antifaschismus ist bitter notwendig, keine Frage. Allerdings stellten wir uns oft die Frage, wie wir im konservativ geprägten Erzgebirge linke und linksradikale Inhalte an die Menschen bringen können, wenn diese allein mit unserem Namen Gewalt und Hass assoziieren. Kritik von ‚‘der Antifa'‘ wird mundtot gemacht oder gleich ignoriert. „Ihr seid nicht besser als die Nazis!“, „Ihr schlagt doch eh alles klein, warum mit euch reden?“ Es ist nun mal so, dass der Begriff „Antifa“, vor allem in ländlichen Gebieten, mittlerweile durch zahllose Ereignisse negativ besetzt ist.
Auf diese Weiße ist kein öffentlicher Diskurs möglich.

Hinzu kommt für uns das bestehende Problem der Anonymisierung und Abschottung durch pure Antifa-Arbeit. Wir aber möchten offen sein für die, die sich organisieren wollen und für die, welche von Repression, sozialer Ungerechtigkeit, Leistungszwang, Verdrängung, etc. betroffen sind. Wir möchten gemeinsam kämpfen und solidarisch miteinander umgehen.

Ein letzter Punkt ist Kritik an uns selbst. Zu sehr haben wir uns an rechten Mobilisierungen orientiert und Feuerwehrpolitik betrieben, zu sehr haben wir uns oft nur mit Antifaschismus auseinandergesetzt und ebenfalls wichtige Themen hinten an gestellt und zu sehr die Symptome anstatt der Ursachen bekämpft. Das möchten wir in Zukunft gern etwas anders angehen. Doch dazu bald mehr. Selbstverständlich lassen wir die Nazis nicht in Ruhe und werden unter anderem auch unsere Chronik über rechte Angriffe und Aktivitäten weiterführen.

Kurz: Wir möchten versuchen, auf anderen Wegen unsere Inhalte und das, woran wir glauben, zu vertreten, zu erkämpfen und zu etablieren.

In den nächsten Wochen arbeiten wir an eigenem Material und einer neuen Webpräsenz. Seid also etwas nachsichtig. Den neuen Blog werden wir hier noch verlinken. :)

Das war’s von uns.

Antifaschistische Aktion Erzgebirge

Vermehrt auf Dialoge setzen

Resultierend aus kräftezehrenden Abwehrkämpfen, der Überforderung vieler Genoss*Innen durch gleichzeitige, kontinuierliche Arbeit in mehreren Bereichen und dem Rückzug in die eigenen Komfortzonen befindet sich die deutsche Linke seit geraumer Zeit in einer Art Schockstarre und Perspektivlosigkeit. Ohne allzu große Umschweife wollen wir in diesem Text auf eine Form antifaschistischer Arbeit eingehen, die unserer Meinung nach in weiten Teilen der (u.a. radikalen) Linken zu sehr vernachlässigt wird oder längst abgeschrieben ist – der Dialog mit Menschen, die andere politische Ansichten vertreten.

In Zeiten von salonfähigem Rassismus und einer erstarkten (neuen) Rechten braucht es eine linke Bewegung, die diesem Treiben etwas wirkungsvolles entgegensetzt. Allerdings reicht es bei weitem nicht aus, AfD-Veranstaltungen zu stören, Nazis zu enttarnen oder die gesamten Kräfte in antifaschistischen Großevents zu verheizen. Ja, dieser Text wird sicherlich vielen bitter aufstoßen aber was in unseren Augen noch bitterer ist, ist die Tatsache des Verlustes sachlicher Dialoge mit politisch anderweitig Orientierten. Viele linke und antifaschistische Kräfte haben sich mittlerweile in ihre Kieze oder alternativen Zentren zurückgezogen und praktizieren dort gesellschaftliche Abgrenzung gegenüber Außenstehenden. Wir sprechen linksalternativen Vierteln keinesfalls ihre Wirksamkeit ab, befinden es jedoch für wichtiger, für die Menschen ansprechbar zu sein, die wir erreichen möchten. Die Wähler*Innenschaft von CDU/ CSU oder AfD pauschal als Rassist*Innen abzustempeln, ist einfach, mit ihnen in eine sachliche Diskussion zu treten, für manche dagegen schon schwieriger.
„Wenn wir etwas gewinnen wollen, müssen wir uns auch mit denjenigen auseinandersetzen, die viele Linke allzu gerne verteufeln oder über die sie sich lustig machen. Ein moralisches »Wir sind besser als ihr« aus unserem kleinen Szene-Elfenbeinturm wird uns da keinen Schritt weiterbringen.“(1)
Versteht uns nicht falsch, wir meinen nicht, dass ihr mit führenden Rassist*Innen oder Faschist*Innen diskutieren sollt. Gemeint sind Wähler*Innen aus Prekariat und Proletariat, die es zu überzeugen gilt.

Nicht vergessen werden sollte, wofür linke Politik steht und wie wir unsere Ziele erreichen können – nämlich nur, wenn wir uns auf Augenhöhe mit der Bevölkerung bewegen und unsere Standpunkte verständlich sowie sachlich vermitteln. „Das erfordert Prozesse auf zwei Ebenen: Zum einen die Auseinandersetzung mit eigenen Ängsten und Schwächen und zum anderen die Diskussion der Frage, wie revolutionäre Inhalte so vermittelt werden können, dass sie als relevant betrachtet und empfunden werden.“(2)
Hierfür ist es notwendig, aus den eigenen Komfortzonen herauszutreten, gemeinsame Erfahrungen zu sammeln und gemeinsam zu kämpfen. „Gleichzeitig müssen Atmosphären geschaffen werden, in denen wir offen und ehrlich unsere Unsicherheiten, Ängste und (Selbst-)Kritik äußern können.“(3)

Gesellschaftliche Veränderungen können nur erfolgreich sein, wenn sie Ausdruck einer breiten gesellschaftlichen Bewegung sind. „Revolutionäre Kämpfe und Umwälzungen können der Gesellschaft nicht von einzelnen politischen Gruppierungen oder Führer_innen aufgezwungen werden. Diese können nur erfolgreich sein, wenn sie Ausdruck einer breiten gesellschaftlichen Bewegung sind. Entsprechend kann revolutionäre Politik nichts anderes bedeuten, als sich innerhalb der Gesellschaft zu bewegen, den Kontakt zur Bevölkerung zu suchen und sich auch auf die Widersprüche einzulassen, die wir dort vorfinden. Hierfür ist es notwendig die Selbstisolierung und subkulturelle Ausrichtung linksradikaler Politik hinter sich zu lassen, sich als Teil der Gesellschaft zu verorten und mit Menschen beständig in einen „geduldigen Dialog“ zu treten.“(4)

(1) (http://lowerclassmagazine.blogsport.eu/2016/09/wir-muessen-ansprechbar-sein/)
(2), (3), (4) http://lowerclassmagazine.blogsport.eu/2016/07/fuer-eine-grundlegende-neuausrichtung-linksradikaler-politik/

Deutschland ist wieder homo!

Heute, am dritten Oktober, zelebrieren wieder bundesweit die deutschen Bürger*Innen den Tag der Vereinigung von BRD und ehemaliger DDR. In vielen Hinsichten ist dies ein fragwürdiger Anlass zum feiern, dem bereits vor 26 Jahren Europas Nationen mit Sorge über ein neues Deutschland mit Vormachtansprüchen gegenüberstanden.

Die frühere DDR-Bevölkerung hingegen war schon damals euphorisiert, endlich in einem geeinten Land zu leben. Für sie hat die Wende mehr demokratische und libertäre Rechte gebracht und langfristig eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage.
Wenig verwunderlich ist also, dass sich die meisten DDR-Bürger*Innen über die Wiedervereinigung und den damit verbundenen Fall der Mauer freuten. Umso paradoxer erscheint es wiederum, dass gerade in diesem Teil der Bundesrepublik Menschen gegenüber ebenfalls Freiheitssuchenden so feindlich gesinnt sind wie nirgendwo sonst. Zum einen das Ende der eigenen Unfreiheit zu bejubeln aber anderen die gleiche Reise- und Wohnfreiheit abzusprechen, ist eine mehr als offensichtliche Doppelmoral. Vielleicht ist es so etwas wie ein immer noch bestehender Drang nach Emanzipation, den viele der besorgten Ex-Ost-Bürger*Innen damit illussorisch zu befriedigen versuchen, indem sie ihre bestehende, eigene Benachteiligung gegenüber marktwirtschaftlichen Akteur*Innen mit Entrechtung „Fremder“ kompensieren. Macht das PEGIDA, AfD und Co. zu emanzipatorischen Bewegungen?
Im Gegenteil, denn indem sie dem gemeinen Pöbel vorgaukeln, dass ein Mehr an Rechten gegenüber einer Minderheit auch eine Emanzipation seiner Selbst bedeuten müsse, schwächen sie dessen Streben nach tatsächlicher Mehrberechtigung und diskriminieren zusätzlich Unbeteiligte.

Überhaupt, nach denen fragt am Tag der Einheit keine*r. Die Anzahl der Auslandseinsätze der Bundeswehr sind nach der Wiedervereinigung quasi explodiert, mit vermutlich eher ungünstigen Folgen für die Bewohner*Innen betroffenen Auslands. Auch in der EU ist Deutschland mehr und mehr zu einer Übermacht geraten, letztlich konnte es (bzw. die Bundesregierung) sogar aktiv in die Innenpolitik von EU-Mitgliedsstaaten wie Griechenland eingreifen. Während die frühere DDR enorme Aufbauhilfen von Seiten des Weststaates erfuhr, wurden die anderen Ostblock-Länder sich größtenteils selbst überlassen. Für den Nachbarn Deutschland brachte das den Vorteil, dass sich zum einen ein neuer Markt eröffnete und andererseits billige Arbeitskräfte einer maroden Wirtschaft wie Polen oder Tschechien sich willig ausbeuten liesen.
Am meisten profitiert haben so oder so die großen Konzerne, der Binnenmarkt weitete sich aus, Millionen qualifizierter, erwerbsloser Arbeitskräfte drückten das Lohnniveau und staatliche Subventionen brachten bei Ansiedlungen oder Aufträgen sicherlich nicht zu wenig Profit.
Wenn man die Wiedervereinigung begeht, ist das einzige worüber man sich definitiv freuen kann, der arbeitsfreie Tag. Ansonsten sollte man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass neben dem für viele Menschen angenehmen Gefühl nationaler Vollständigkeit auch folgenschwere Fehler und Ungerechtigkeiten durch dieses Ereignis entstanden sind und vor allem muss hinterfragt werden, wie feierlich es sein kann, wenn man selbst die Freiheit immer wieder als Kernaussage der Wiedervereinigung betont, aber anderen nicht einmal die Freiheit gewährt, zeitweilig in diesem Land Schutz zu finden.

Redebeitrag Chemnitz (30.08.16)

Wieder einmal hat sich in Chemnitz der Mob des Hasses und der Kurzsichtigkeit versammelt. Aufmarsch eines Pegida-Ablegers – doch in Sachsen ist das nunmehr nichts besonders. Die Meinungshoheit von rechts infrage zu stellen, den Rassist*Innen zu widersprechen – das sind sicherlich Gründe, warum viele von euch heute hier sind. Und – ja, es ist wahr, dass diese neu-rechte Bewegung im Mantel des Kleinbürgertums eine reaktionäre Kraft in diesem Teil des Landes zum Vorschein gebracht hat, wie man sie seit über 70 Jahren nicht mehr wahrnehmen konnte.
Aber wir stehen gemeinsam und solidarisch, wir rufen ihren Hassparolen entgegen:

„Flüchtlinge willkommen! – Schön, dass ihr hier seid!“
Obwohl, überhaupt nicht schön, dass ihr hier seid. Zumindest nicht unter diesen Umständen.
Es ist immer mit aufschlussreichen Erfahrungen verbunden, Menschen aus anderen Kulturkreisen zu treffen – ein Gewinn für alle Beteiligten, daher ist es wünschenswert Gäste von überall aus der Welt hier in Deutschland zu empfangen. Nun sind diejenigen die in diesem Land Asyl suchen nicht hier, um Deutschland zu bereisen, nicht weil sie gern neue Erfahren suchen wollen oder Urlaub machen, sondern weil sie fliehen MUSSTEN. Meistens auf der Flucht vor offener Gewalt, vor Krieg und Verfolgung, weil in ihrer Heimat Konflikte ausgetragen werden, die auch für unsere Regierung von geopolitischem Interesse sind. Von Interesse für unsere Volksvertreter*Innen, für die, die uns repräsentieren. Also letztlich auch, Konflikte wegen uns. Das ist das Dilemma der Demokratie, dass das Volk auch in der Verantwortung für die Entscheidungen seiner Regierung steht. Die Flüchtlinge die unsere Grenzen erreichen, abzulehnen bedeutet sich der Verantwortung zu entziehen, die jede*r Wahlberechtigte über das Schicksal dieser Menschen hat.
Das heißt, bei dem Motto zu bleiben, „Flüchtlinge willkommen!“
Auch sogenannte „Wirtschaftsflüchtlinge“?
Nein oder? Können diese Menschen denn nicht in ihrer Heimat ihre ökonomischen Defizite und damit die Armut überwinden? Schließlich ist doch jeder seines Glückes Schmied, wer hart arbeitet kann auch in Afrika ein gutes Leben führen und wer her kommt kann demzufolge nur darauf aus sein, die Sozialsysteme der arbeitenden Bevölkerung parasitär auszunutzen.
Reine Polemik und Populismus ist es, so etwas zu verkünden, eine unerhörte Hetze mit rassistischem Kalkül.
Die Wirklichkeit sieht auf erschreckende Weise anders aus.
Wenn ein Kind vor seinem ersten Geburtstag stirbt, weil es aufgrund von Nahrungsengpässen in seiner Region verhungert, ist es genau dasselbe Ergebnis, als wäre es im Krieg dem Bombenhagel zu Opfer gefallen. Womit wir auch schon beim Punkt Chancengleichheit und „jeder ist seines Glückes Schmied“ wären, kann man von einem Neugeborenen erwarten, dass bereits anfängt an seinem Glück zu schmieden? Nein! Von den Eltern könnte man natürlich das Wahrnehmen dieser Verantwortung verlangen, doch was ändert es für das betroffene Kind, wenn die sich dagegen entscheiden? In den besser entwickelten Staaten gibt es notfalls staatliche Fürsorge in Form von beispielsweise Waisenhäusern. Auch Zugang zu Bildung spielt eine zentrale Rolle, ohne finanzielle Grundlagen bleibt der vielen verwehrt. Als Konsequenz kann man auch nicht erwarten, dass diese Menschen in ihrem Land die Möglichkeit hätten eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen.
Wobei das ja ohnehin nicht Ziel der (voranging) westlichen Großkonzernen ist, ein starker Binnenmarkt in Entwicklungsländern würde die Exporte verringern und die feudalen Strukturen die man geschaffen hat eventuell gefährden. Ich rede von Abhängigkeiten, die ohne Verschuldung der Betroffenen zustande kommen. Eine korrupte Regierung verkauft Ackerland an europäische Großkonzerne, die Bauern können es nicht mehr bewirtschaften, haben keine Wahl als für den Konzern zu arbeiten, die Konditionen bestimmt der natürlich, oder sie stehen ohne Existenzgrundlage da. In solchen Fällen ist Emigration genauso wenig verwunderlich, wie im Falle eines Krieges. Es ist im Prinzip auch Krieg, auf ökonomischer Ebene.
Zusätzlich können noch soziale Unruhen dazu kommen, die durch diese Missständen bedingt sind.
Es sind zumindest zu einem erheblichen Teil unsere Konzerne, die aus Profitgier dazu beitragen, dass sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge existieren.
Die Devise lautet „Flüchtlinge willkommen!“, uneingeschränkt, ohne Vorbehalte, auch Wirtschaftsflüchtlinge.
Wollen wir denn wirklich, dass Flüchtlinge kommen? Klar ist, es ist keine Lösung für die Fluchtursachen, einem Teil der Betroffenen Schutz zu bieten. Es ist auch für die Menschen die zu uns kommen eine schlechte Situation, aus der Zwangslage heraus in ein Land zu kommen, ohne Alternativen und oft ohne Perspektiven. Trotzdem ist es kurz- und vielleicht auch mittelfristig unsere Pflicht den Flüchtlingen zu helfen. Das Ziel muss allerdings sein, die Probleme anzugehen, die den Fluchtursachen zugrunde liegen. Wenn unsere Regierung durch ihre geopolitischen Interessen auf eine Weise dazu beiträgt, dass Kriege ausbrechen, tragen auch wir die Verantwortung dafür, denn wir haben die Wahl, alle vier Jahre. Aus dem gleichen Grund können wir auch etwas gegen wirtschaftliche Repression durch deutsche Großkonzerne tun, die Verfassung gibt uns die Möglichkeit, die Unternehmen zur Verantwortung zu ziehen, oder wenn nicht die, die Möglichkeit sie zu ändern. Die Flüchtlingsbewegungen zeigen uns, dass wir nicht ohne Folgen handeln können und wir sind nun in der Pflicht, diese als solche zu begreifen, statt dem Populismus und Selbstmitleid zu verfallen. Von allein wird sich diese Krise nicht lösen und auch nicht im Vertrauen auf die bestehende Ordnung, in einer Epoche, in der wir als Verbraucher*Innen von den Billig-Löhnen in anderen Teilen der Welt profitieren und in der andere noch viel mehr als wir davon profitieren, lohnt es sich dieses System zu hinterfragen. Der Feudalismus rechtfertigte sich als gottgegebene Ordnung, der Neoliberalismus legitimiert sich in seiner Existenz selbst, eine viel zu leicht durchschaubare Hochstapelei. Wenn diejenigen, die die insbesondere wirtschaftliche Macht innehaben keine Hemmungen davor haben die Menschen der dritten Welt für ihre Gewinnoptimierungen auszunutzen, warum sollten sie nicht irgendwann auch in den reichen Industriestaaten ähnliches realisieren? Bisher doch nur, weil die Mittelschicht selbst noch zu großes ökonomisches Potential besitzt, doch theoretisch gibt es auch dafür kein Gewähr, dass wir nicht selbst in naher oder auch ferner Zukunft unsere sozialstaatlichen Privilegien und unseren kleinbürgerlichen, hart erarbeiteten Luxus verlieren werden. Deshalb gilt, behandelt die Menschen, die heute als Flüchtlinge zu uns kommen so, wie ihr es auch werden möchtet, wenn die Zeit dafür kommt. Oder noch besser, nehmt auch die Verantwortung für eure eigene Zukunft wahr und verändert etwas an der bestehenden Ordnung. Das System in dem die Schere zwischen Armen und Reichen größer statt kleiner wird kann und darf keine Zukunft haben. Solange wir können, müssen wir unsere demokratischen Möglichkeiten ausschöpfen Veränderungen zu bewirken!

Um den demokratischen Weg wahrnehmen zu können braucht man nichts mehr, als den Rückhalt des Volkes. Derjenenigen, die „Wir sind das Volk“ grölen? Auf die wird man in der Regel nicht zählen können, denn sie verschließen ihre Augen vor den Ursachen der Flucht, ihren Verstand vor ihrer Verantwortung dafür, wie sie ihre Herzen und Grenzen für die Folgen der Flucht verschließen.

Neu-rechtes Pamphlet – Wochenspiegel

Pünktlich jeden Freitag findet sich in den Briefkästen des Erzgebirges die sogenannte Zeitung „Wochenspiegel“. Nach eigenen Angaben erreicht sie eine Auflage von knapp 40.000 Exemplaren. Das Druckerzeugnis ist für die Leser kostenfrei und finanziert sich durch Werbeanzeigen lokaler aber auch größerer Unternehmen wie Aldi, Mäc-Geiz oder INJOY.
Ohne dabei viel Aufsehen zu erregen, hat sich der Wochenspiegel als Sprachrohr völkischer und neu-rechter Parolen und Weltanschauungen kultiviert. Natürlich prangen nirgendwo Hakenkreuze oder AfD-Logos und eindeutig rassistische Äußerungen sind auch nicht zu lesen. Vielmehr ist das Problem eine unterschwellige Expression dessen, was NPD, Petry, Höcke und Co. ohne Hemmungen von sich geben. Ein Beispiel, wie Hass auf Flüchtlinge geschürt wird, ist die Klassifizierung von (vornehmlich Sexual-) Straftätern als „südländisch“(1) oder als „dunkelhäutig“(2). Entspricht der Täter jedoch keiner dieser Kategorien, so wird das Merkmal gar nicht aufgezählt. Formulierungen wie „hellhäutig“ oder „mitteleuropäischer Herkunft“ findet man in den Artikeln nicht(3). Die Berichterstattung verfolgt klar das Kalkül, die öffentliche Meinung über vermeintliche Ausländer und Geflüchtete negativ zu beeinflussen, da sie impliziert, diese Personengruppe begehe überdurchschnittlich viele Verbrechen. Weiterhin auffällig ist, dass besonders viele dieser Texte, die von Übergriffen angeblicher Geflüchteter handeln, aus der Feder eines einzelnen Autors stammen: Sven G. Also vielleicht doch nur ein schwarzes Schaf in der Redaktion? Im Gegenteil, denn dieser Mensch, der vorher bei der Boulevard-Zeitung „Bild“ gearbeitet hat, ist sogar Chefredakteur(4). Offensichtlich ist er also doch imstande mit seiner Gesinnung die gesamte Zeitung zu repräsentieren. Ein weiteres Beispiel? In einer kleinen Serie über den Liftbau in Oberwiesenthal(5) werden nicht nur berechtigte Bedenken der Grünen lächerlich gemacht, sondern das komplette Naturschutzkonzept attackiert. Sven G.’s Haltung läuft auf die These hinaus, wenn die bedrohten Tiere sich nicht anpassen könnten, müssten sie eben aussterben. Eine Einstellung, die den darwinistischen Gedanken dahingehend übersteigert, dass Tiere in Konkurrenz zur menschlichen Zivilisation gesetzt werden, ein ungleicher Kampf. Zudem wird die Klimaerwärmung in AfD-Manier verleugnet und als xenophobes Sahnehäubchen noch die Angst geschürt, „die Tschechen“ (Vorsicht Pauschalisierung) würden uns die Tourist*Innen wegnehmen, fast hört man einen Aufruf zum Aufbegehren heraus. Sich zu wehren gegen die Ausländer natürlich, denn die machen ja den deutschen Ski-Gebieten Konkurrenz. Blöd nur, dass gerade dieser Konkurrenzkampf das primäre Kennzeichen der bestehenden Wirtschaftsordnung ist. Allerdings würde eine solch komplexe Betrachtung weit über den Horizont des Klientels der Zeitung herausgehen und nebenbei das eigentliche Ziel, Unmut gegen alles nicht deutsche aufzustauen, verfehlen. Dass das Pamphlet in dieser nationalistischen Denkweise feststeckt ist definitiv und äußert exemplarisch in seiner einseitigen Sicht auf die EU (6), die starke deutsche Wirtschaft werde von Brüssel ausgebremst. Und was schon aus Prinzip für eine Zeitung dieser Art unerlässlich ist, Verleumdung gegen Linke. Auch der Wochenspiegel setzt den theoretischen Kommunismus mit dem gescheiterten real existierenden Sozialismus gleich.(7)
Die Verlagsgruppe des Wochenspiegels gibt ebenfalls den Landkreiskurier des Landkreises Erzgebirge heraus, in dessen Kreistag die CDU mit Abstand größte und einflussreichste Fraktion ist. Es ist offensichtlich, dass die Mediengruppe Erzgebirge auch den Wochenspiegel benutzt, um seine Gunst bei der CDU hoch zu halten. Während, wie bereits angesprochen, Kritik der Grünen lächerlich gemacht wird, bekommen CDU Politiker wie Andreas Engert PR vom feinsten geliefert.(8)

(1) http://www.wochenendspiegel.de/joggerin-auf-waldweg-sexuell-belaestigt/
(2) http://www.wochenendspiegel.de/zivilpolizistin-begrapscht/
(3) http://www.wochenendspiegel.de/neukirchen-fahndung-nach-sex-taeter/
(4) http://www.schlettau.de/nachrichten-aus-erzgebirge-detail/archiv/28783.html
(5) http://www.wochenendspiegel.de/fichtelberg-gruene-attacke-nuechterne-zahlen/
(6) http://www.wochenendspiegel.de/neue-abfall-ordnung-eu-wieder-im-buerokratie-wahn/
(7) http://www.wochenendspiegel.de/sachsenmeyer-brexschid/
(8) http://www.wochenendspiegel.de/andreas-engert-strebt-cdu-bundestagsmandat-an/

Ein wechselseitiger Nutzen dürfte auch der Zeitung gewiss sein.
Das Ergebnis dieser Betrachtung ist, dass Wirtschaft und Zentrum-Politiker ein Medium fördern, dass, wenn man es denn sehen will, die neue völkische Bewegung offensichtlich vertritt. Es sind die gleichen Tendenzen, die man auch in der AfD oder bei Pegida findet. Die bürgerliche Mitte befindet sich schon längst in den Fängen dieser Manipulateure und Konzerne wie Aldi unterstützen das Fortlaufen dieses Prozesses mit ihren Werbeanzeigen ungewollt. Die Mediengruppe Erzgebirge gibt im Übrigen auch das „Veilchen Echo“ heraus. Vielen Aue Fans dürfte der rechte Anstrich wohl nicht missfallen, aber der Rest darf sich auch gerne näher mit dem Verlag beschäftigen, um nicht aus Versehen ein rechtes Pamphlet zu unterstützen.