Archiv der Kategorie 'Antifaschismus'

Antifa-Chronik 2016

Bittesehr! Unsere jährliche Chronik über rechtsradikale Aktivitäten und Gewalttaten im Erzgebirgskreis.

Hier geht´s zur Chronik.

Mahnung und Gedenken der Reichspogromnacht!

Am Abend des 09. November erreichte der Antisemitismus in Deutschland seinen vorläufigen „Höhepunkt“. In Annaberg-Buchholz verwüsteten die Faschisten mehrere jüdische Geschäfte, sowie die Synagoge in der Buchholzer Straße. Der Friedhof der „Israelitischen Relegionsgemeinde“ wurde geschändet, verwüstet und am Morgen des 10. November auch die zugehörige Feierhalle gesprengt. Doch damit nicht genug – Mehrere jüdische Bürger*Innen wurden von der GeStaPo verhaftet, verhört und zum Teil deportiert.

Gewalttätige Übergriffe, Arbeitsverbote, die Kennzeichnungspflicht mit einem gelben Stern und viele weitere Repressalien mussten Jüdinnen und Juden jahrelang erdulden, bis sie letztendlich in verschiedene Vernichtungslager deportiert wurden. Schätzungen zufolge sollen auch mindestens 14 jüdische Menschen aus Annaberg-Buchholz in Lagern umgekommen sein.

Um den Opfern dieser Zeit zu gedenken und an die Taten der Faschisten zu erinnern, laden wir, gemeinsam mit den Genoss*Innen der Linksjugend Erzgebirge und der Partei Die LINKE, zu einem Mahngang, im Gedenken an die Reichspogromnacht 1938, ein.

Wir treffen uns am 12. November, 14 Uhr auf dem Parkplatz, gegenüber des Erzgebirgsklinikums.

Neonazis organisieren Heimattag

Wenn am 13. August in Lößnitz der erste „Erzgebirgische Heimattag“ einige oder auch viele Besucher*Innen anlockt, dann sind die, die sich darüber am meisten freuen werden, keine geringeren als radikale Neonazis.

Eigentlich könnte man den Eindruck gewinnen, bei der Veranstaltung handele es sich tatsächlich um nichts weiter als ein Fest, auf dem die Besucher*Innen sich an der reichhaltigen Kultur des Erzgebirges erfreuen sollen. Doch hinter dieser Aktion steckt das Kalkül radikaler Aktivisten der „Identitären Bewegung Erzgebirge“. Der Veranstalter des Heimattages nennt sich im Internet ironisch „Erzgebirge im Herzen“. Die Entscheidung, wer und was zum Erzgebirge zählt, behält man sich jedoch vor. In dem sozialen Netzwerk Facebook verbreiten die Betreiber*Innen offenkundige Verschwörungstheorien gegen die Flüchtlingspolitik(1) der Bundesregierung und auch Beiträge der eindeutig rassistischen Organisation „Identitäre Bewegung“. Diese wird vom Verfassungsschutz beobachtet und als Teil der neonazistischen Szene geführt(1). Besonders verwunderlich ist diese Verbindung allerdings nicht, schließlich ist der Organisator der Veranstaltung, Max E., selbst Teil dieser Gruppierung. Von einem unpolitischen, ausgelassenen Fest kann also in keinem Fall die Rede sein. So erheben die Veranstalter*Innen auf ihrer Seite selbst den Anspruch, eine politische Plattform zu sein, positionieren sich gegen Migration und Liberalismus(2). Von Menschen, die gegen freiheitliche Werte (Liberalismus) eintreten, dürfte folglich nicht zu erwarten sein, dass sie eine Meinungsvielfalt auf ihrer Veranstaltung dulden werden. Im Gegenteil, wird es wohl ihrer Absicht entsprechen, mit dem Heimattag einen ersten Schritt hin zur Schaffung eines neuen Agitationsfeldes für die radikale Rechte im Erzgebirge zu machen. Dieser Trend zur Expansion immer gewalttätigerer Neonazis zeigt sich ebenfalls in der Entwicklung der Zahl rassistischer Übergriffe, die von 2014 auf 2015 bereits um ca. ein Drittel gestiegen war.(3) Die Sponsor*Innen des Festes, ortsansässige Betriebe(4), haben vermutlich keine Kenntnisse über die Verstrickung der Veranstalter*Innen in verfassungsfeindliche Kreise, sollten aber nun darüber nachdenken, ihre Unterstützung aufzukündigen. Die Kommune, wie auch kulturinteressierte Erzgebirger*Innen sollten kein Interesse daran haben, dass sich rechte Strukturen in der Region weiter ausbreiten, da zu befürchten ist, dass letztlich auch der Tourismus darunter leiden könnte. So perfide es auch klingt, anstatt die Region zu zelebrieren, könnte der Heimattag das Potenzial entfalten ihr nachhaltig zu schaden.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Identitäre_Bewegung

(2) https://www.facebook.com/ErzImHerz/info/?entry_point=page_nav_about_item&tab=page_info

(3) http://afaerz.blogsport.de/images/AntifaChronik2015.pdf

(4) https://www.facebook.com/events/990142597765868/

Aue is calling – Rassistischer Sternmarsch am 09. April!

Für Menschlichkeit und Solidarität – geistige Brandstifter*Innen stoppen!

Nach Stollberg, Zwickau und Chemnitz soll nun am 09. April ein rassistischer Sternmarsch in Aue stattfinden. Erwartet werden 2-3000 Teilnehmer*Innen aus ganz Sachsen. Organisiert wird das Ganze von der rechtsradikalen Initiative ‚Freigeist‘ und Initiator Stefan Hartung (NPD). Von ihm gingen in der Vergangenheit bereits mehrere Demonstrationen aus, an denen jeweils mehr als 1000 Menschen teilnahmen. Um die Bevölkerung für ihre rassistische Hetze zu gewinnen, streuen sie immer wieder teils kuriose Gerüchte über Migrant*Innen. Geschichten von Einbrüchen und Angriffen werden erfunden und geflüchtete Menschen als ‚Invasoren‘ bezeichnet, die lediglich zum Ziel hätten, erzgebirgische Werte, wie Tradition und ‚Identität‘, zu zerstören. Dass derartige Aussagen früher oder später zu Gewalttaten und Brandanschlägen führen können, sollte jedem Menschen klar sein.

Die Tatsache, dass haltlose Behauptungen und Gerüchte sowie der daraus resultierende Hass gegen Geflüchtete regelmäßig tausende Menschen auf die Straßen ziehen, ist mehr als erschreckend.

Darum ist es wichtig, sich am 09. April mit allen emanzipatorischen Kräften in Aue zusammen zu finden und an der Kundgebung für mehr Solidarität und Menschlichkeit teilzunehmen.
Überlassen wir geistigen Brandstifter*Innen nicht die Straßen und erst recht nicht die Städte!

Weitere Informationen folgen nach dem Kooperationsgespräch.

Raus aus der Komfortzone!

Die Geschehnisse in Clausnitz und Bautzen sind zur Zeit medial so präsent, dass man denken könnte, so etwas sei zum ersten Mal passiert. Bis ins letzte Dorf werden nun alle in Sachsen lebenden Menschen mit Rassist*Innen und Neonazis gleichgesetzt. Von den zahlreichen Antifaschist*Innen, die täglich versuchen, den rechtsradikalen Mobilisierungen wenigstens etwas entgegenzusetzen, spricht jedoch niemand.

Nach wie vor sind vor allem die sächsischen Provinzen große Problemzonen für Linke und Geflüchtete. Rechte Demonstrationen finden wöchentlich mehrmals statt, an Gegendemonstrationen – sofern diese überhaupt noch als wirkungsvoll bezeichnet werden können – nehmen meist nur wenige Menschen teil. Neonazistrukturen erhalten regen Zuspruch aus der bürgerlichen Mitte und Gewalttaten gegen Geflüchtete und Antifas werden geduldet oder beklatscht. Dem rassistischen Treiben etwas deutliches entgegenzusetzen, gestaltet sich schwierig. Hinzu kommt die Provinzflucht, durch die die fittesten Aktivist*Innen in den alternativen Vierteln der Großstädte verschwinden.

Doch keine Zeit für Resignation!
Es mag kräfteraubend und ermüdend sein, dennoch ist es notwendig, dass die sächsische Linke sich ihrer Lage bewusst wird und darauf reagiert. Es ist leicht, sich im eigenen Großstadt-Kiez zu verstecken und darauf zu warten, dass die Leute in der Provinz das Problem allein lösen.
Raus aus euren Komfortzonen – supportet die Provinzen!
Organisiert gemeinsame Demonstrationen mit lokalen Bündnissen, Initiativen, Gewerkschaften und anderen Gruppen. Geht vor Schulen und in die Jugendzentren, betreibt Aufklärungsarbeit. Dies wäre schon allein von enormer Wichtigkeit, um Vorurteile gegenüber der linken Szene in der Bevölkerung aus dem Weg zu räumen.
Bringt euch in die Arbeit mit Geflüchteten ein und schützt euch gegenseitig!
Wichtig wäre auch, den Neonazis ihre Räume zu nehmen, ihnen konsequent entgegenzutreten und direkte Aktionen durchzuführen. Verschönert eure Viertel, seid gemein zu Faschos und klaut ihnen ihr Milchgeld! Verteilt tausende Flyer und zeigt, dass ihr überall präsent seid – dass euch die Straßen gehören!